Cannabis-Pilotprojekt Update — Juli 2026

Was ist 2026 in den Schweizer Cannabis-Pilotprojekten passiert? Verlängerungen, publizierte Ergebnisse und der Fahrplan zum Cannabisproduktegesetz — mit Primärquellen.

TL;DR: Züri Can wurde im März 2026 um zwei Jahre bis Oktober 2028 verlängert (Gemeinderat, Ethikkommission und BAG haben zugestimmt). Weed Care Basel veröffentlichte am 19. März 2026 die Bilanz nach drei Jahren: weniger problematischer Konsum, rauchfreie Produkte bei rund 18 % der Verkäufe. Cann-L Lausanne meldete Ende April 2026 über 1'750 angemeldete Erwachsene, rund 20 % Marktdeckung und 2 Mio. CHF Umsatzverlust für den Schwarzmarkt. Die Pilotdaten fliessen direkt in die Arbeiten am Cannabisproduktegesetz (CanPG) ein.

Züri Can: verlängert bis Oktober 2028

Die ursprüngliche BAG-Bewilligung erlaubte den Bezug von Studiencannabis bis Oktober 2026. Im März 2026 hat der Gemeinderat der Stadt Zürich die Finanzierung einer zweijährigen Verlängerung beschlossen; die Kantonale Ethikkommission Zürich und das BAG haben die Verlängerung bewilligt. Studiencannabis kann damit bis Oktober 2028 bezogen werden.

Der Bezug läuft über 20 bewilligte Bezugsstellen — Apotheken, Social Clubs und das Drogeninformationszentrum (DIZ) der Stadt Zürich. Die Studie bietet Platz für bis zu 3'000 Teilnehmende; laufend aktualisierte Zahlen publiziert die Forschungsgruppe Abhängigkeitserkrankungen der PUK auf zurican.uzh.ch.

Im Mai 2026 kommunizierte die Stadt Zürich erste Ergebnisse: Konsumierende berichten nach dem Wechsel vom illegalen Markt zu nicht-profitorientierten Bezugsstellen von weniger gesundheitlichen Problemen. Die Stadt nennt die Studie explizit als Grundlage für die Arbeiten am Cannabisproduktegesetz.

Praktisch heisst das: Wer auf der Warteliste steht, verliert 2026 keinen Zugang — der Pilot bricht nicht ab. Für alle ausserhalb des Stadtgebiets Zürich bleibt der Pilot unerreichbar; Winterthur und die übrigen Zürcher Gemeinden sind nicht eingeschlossen.

Weed Care Basel: Bilanz nach drei Jahren (März 2026)

Weed Care startete am 30. Januar 2023 mit 378 Teilnehmenden und war die erste kontrollierte Cannabis-Abgabe der Schweiz — über ausgewählte Basler Apotheken, wissenschaftlich begleitet von der Universität Basel und dem Universitätsspital Basel.

Die am 19. März 2026 publizierte Drei-Jahres-Bilanz zeigt: Der problematische Cannabiskonsum ging zurück, insbesondere der Konsum von Joints mit Tabak nahm signifikant ab. Die monatliche Bezugsmenge pro Person blieb über die drei Jahre stabil — ein regulierter Zugang hat den Konsum also nicht erhöht.

Rund ein Drittel der verkauften Produkte hatte einen THC-Gehalt unter 13 %. Die im Herbst 2025 eingeführten risikoärmeren, nicht rauchbaren Produkte (Cannabisöl, Vapes, Spray) machten zwischen September 2025 und Februar 2026 etwa 18 % der Verkäufe aus.

Cann-L Lausanne & Genf: Marktverdrängung messbar

Ende April 2026 zog die Stadt Lausanne gemeinsam mit Sucht Schweiz Zwischenbilanz: Über 1'750 Erwachsene sind für Cann-L registriert, wöchentlich kommen neue hinzu. Die legale Verkaufsstelle deckt rund 20 % des geschätzten Lausanner Cannabiskonsums.

Dem illegalen Markt sind seit Eröffnung 2023 rund 2 Millionen Franken Umsatz entzogen worden. Die grosse Mehrheit der Teilnehmenden hat den Schwarzmarkt verlassen, der Konsum nimmt ab, und fast hundert Personen haben über das Projekt Kontakt zu einer Ärztin oder einem Arzt aufgenommen. Die verkauften Produkte sind im Durchschnitt weniger potent als Schwarzmarktware.

Genf führt mit Cann-L Genève ein paralleles Design (HUG, Ville de Genève) mit Zielgrösse rund 1'200 Teilnehmenden und Laufzeit bis Juni 2027; die Waadtländer Standorte Yverdon, Nyon, Vevey, Montreux und Morges sind Teil des Cann-L-Vaud-Perimeters.

Bern, Luzern und die übrigen Kantone

Bern betreibt mit SCRIPT (Stadt Bern, ISPM Universität Bern, Contact Stiftung) den längsten Pilot mit Laufzeit bis September 2028 und rund 1'100 Teilnehmenden; Biel und Köniz gehören zur erweiterten Kohorte.

Luzern hat ein Pilotgesuch beim BAG eingereicht, der Start ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen. Basel-Landschaft, Solothurn und Freiburg haben Gesuche in Prüfung oder Vorbereitung. Alle übrigen Kantone haben keinen Pilot — dort bleibt legal nur CBD unter 1 % THC oder der medizinische Weg über ein Rezept.

Rechtlicher Rahmen: Pilotversuche stützen sich auf Art. 8a BetmG (in Kraft seit 15. Mai 2021, auf zehn Jahre befristet) und die BetmPV. Bewilligt werden sie nur örtlich, zeitlich und sachlich begrenzt.

Politischer Fahrplan zum Cannabisproduktegesetz

Die Ergebnisse aus Zürich, Basel und Lausanne werden von den Projektträgern ausdrücklich als Argumentationsgrundlage für den Entwurf eines Cannabisproduktegesetzes (CanPG) genannt: gesundheitsorientierte Regulierung statt Verbotsmarkt.

Bis ein CanPG in Kraft ist, ändert sich für Konsumierende ausserhalb der Pilotperimeter nichts. Nicht-medizinisches THC über 1 % bleibt verboten, Ordnungsbussen für Besitz bis 10 g bleiben kantonal unterschiedlich streng.

FAQ

Läuft Züri Can 2026 aus?

Nein. Die Bewilligung reichte ursprünglich bis Oktober 2026, wurde aber im März 2026 um zwei Jahre bis Oktober 2028 verlängert — finanziert durch den Gemeinderat, bewilligt durch Ethikkommission und BAG.

Ist Weed Care Basel beendet?

Die Interventionsphase mit 378 Teilnehmenden ist abgeschlossen und wurde im März 2026 mit einer Drei-Jahres-Bilanz publiziert; die Abgabe über Basler Apotheken läuft im Rahmen der Beobachtungsphase weiter.

Wie viele Menschen nehmen an den Pilots teil?

Züri Can bietet Platz für bis zu 3'000 Personen, SCRIPT Bern rund 1'100, Cann-L Genève zielt auf 1'200, Cann-L Lausanne zählt über 1'750 Registrierte, Weed Care Basel startete mit 378.

Kann ich einem Pilot beitreten, wenn ich nicht in Zürich, Bern, Basel, Lausanne oder Genf wohne?

Nein. Pilotversuche sind örtlich begrenzt und verlangen Wohnsitz im Studienperimeter. Ausserhalb bleiben CBD unter 1 % THC und der medizinische Weg über ein Rezept.

Wo finde ich die Original-Quellen?

Züri Can: zurican.uzh.ch (monatlich aktualisiert) und stadt-zuerich.ch. Weed Care: bs.ch Medienmitteilung vom 19.03.2026 und dkf.unibas.ch. Cann-L: suchtschweiz.ch Medienmitteilung vom 28.04.2026. Übersicht aller Bewilligungen: bag.admin.ch.