Substrat — worauf deine Cannabis-Pflanze wächst
Das Substrat bestimmt Wasserdynamik, Nährstoffhaltung und Fehlertoleranz. Die richtige Wahl ist wichtiger als Dünger oder Panel.
TL;DR: Bio-Erde: einfachster Einstieg, verzeihend, bis 400 g/m². Kokos: schneller, mehr Ertrag, tägliches Giessen. Hydro (DWC): maximaler Ertrag 500–700 g/m², null Toleranz. Living Soil: bester Geschmack, Zero-Waste, teure Erst-Anschaffung.
Bio-Erde — der Standard-Einstieg
Fertige Grow-Erden (BioBizz Light-Mix, Plagron Grow-Mix, Canna Terra Professional) enthalten Torf/Kokos-Mix, Perlite, Wurmhumus und ~2 Wochen Grunddüngung.
Vorteile: pH-Puffer 6.0–6.8 automatisch, hohe Fehlertoleranz, günstig (CHF 15–25 / 50 L Sack).
Nachteile: begrenzte Nährstoffpuffer → ab Woche 3–4 zusätzlich düngen. Schwerer, schlechter für Airpots.
Wasser-Rhythmus: alle 2–3 Tage, wenn Topf spürbar leichter wird.
Kokos — Semi-Hydro-Performance
Reine Kokosfaser (Canna Coco Professional Plus, Growrilla) plus 30 % Perlite. Inert — kein Puffer, jede Bewässerung ist Düngerlösung.
Vorteile: 20–40 % schnelleres Wachstum vs Erde, höhere Sauerstoffversorgung, Airpot-freundlich, kein Pilzrisiko.
Nachteile: täglich giessen (Blüte 2× täglich), Cal-Mag Pflicht (Kokos bindet Ca/Mg), EC-Kontrolle nötig.
pH-Ziel 5.8–6.2, EC 1.2 (Vegi) bis 2.4 (Bulking).
Hydroponik — DWC, RDWC, Ebbe/Flut
DWC (Deep Water Culture): Wurzeln hängen direkt in belüftetes Nährstoffwasser. Maximaler Ertrag 500–700 g/m² möglich, kürzeste Vegi-Zeiten.
RDWC (Recirculating DWC): mehrere Töpfe verbunden, gleichmässige Nährstoffversorgung.
Ebbe/Flut, NFT: Alternativen, robuster als DWC, weniger Ertrag.
Nachteile: null Toleranz — Pumpenausfall = tote Pflanzen in 2 h. Wurzelfäule bei >22 °C Wassertemperatur.
Living Soil — organischer Peak
Angesetzte 'lebende Erde' mit Wurmhumus, Kompost, Neem-Meal, Kelp-Meal, Basalt, Mykorrhiza. Erde übernimmt die Nährstoff-Freisetzung — nur Wasser wird nachgegossen.
Vorteile: bester Terpen-Ausdruck, kein Flush, wiederverwendbar über Jahre, günstig auf Sicht.
Nachteile: Erst-Kosten CHF 5–8/L, 30 Tage Reifezeit, weniger Ertrag pro Watt (10–15 %), langsamer.
Rezept-Referenz: 'Coot's Mix' (60 % Peat/Kokos, 30 % Aeration, 10 % Wurmhumus, plus Amendments).
Topfgrösse und Airpots
Standard-Töpfe: günstig, gut für Erde.
Fabric Pots (Stoff): bessere Sauerstoffversorgung, Air-Pruning → dichteres Wurzelsystem. Trocknen schneller aus.
Airpots (perforierter Kunststoff): wie Fabric, aber wiederverwendbar über Jahre.
Volumen-Faustregel: 3–4 L pro Monat Vegi + 5 L Reserve.
pH und EC — die Grundlagen
pH steuert, welche Nährstoffe verfügbar sind. Erde 6.0–6.8, Kokos/Hydro 5.5–6.2.
EC misst Salzkonzentration. Sämling 0.6, Vegi 1.2–1.8, Blüte-Peak 2.0–2.4.
Beide Werte bei jedem Giessen prüfen. Runoff (das ablaufende Wasser) misst, was in der Wurzelzone wirklich passiert.
FAQ
Erde oder Kokos für Anfänger?
Erde. Verzeiht Fehler bei Giess-Rhythmus und Dünger. Kokos erst nach dem ersten sauberen Grow.
Living Soil für Autoflower?
Nicht optimal. Autoflower brauchen sofort verfügbare Nährstoffe, Living Soil ist bewusst langsam.
Kann ich Erde wiederverwenden?
Ja, mit Amendments (Kompost, Wurmhumus, Bio-Dünger) und 4 Wochen Reifezeit. Beste Ergebnisse mit No-Till-Ansatz.
Hydro-Wassertemperatur wichtig?
Extrem: 18–22 °C ideal. >24 °C = Pythium/Wurzelfäule fast garantiert. Chiller einplanen.
Perlite-Anteil?
Erde 10–20 %, Kokos 20–30 %. Verbessert Drainage und Wurzel-Sauerstoff.