Myrcen — das häufigste Cannabis-Terpen
Myrcen (β-Myrcen) ist ein azyklisches Monoterpen mit der Summenformel C₁₀H₁₆ und tritt in Cannabis häufig als mengenmässig dominantes Terpen auf. Chemisch handelt es sich um eine offenkettige Verbindung aus zwei Isopreneinheiten, die bei Raumtemperatur ölig-klar erscheint. Ausserhalb der Pflanze findet man Myrcen in hoher Konzentration in Hopfen (Humulus lupulus) — daher rührt die häufig zitierte aromatische Verwandtschaft zwischen Cannabis und Bier — sowie in Mango, Zitronengras, Lorbeerblatt und Thymian. In Cannabis-Blüten macht Myrcen laut mehreren GC-MS-Analysen aus dem Schweizer und europäischen Markt typischerweise 0,1 % bis 2,5 % Trockengewichtsanteil aus, wobei Chemovare Typ I und II (THC- bzw. THC/CBD-dominant) besonders hohe Werte zeigen können.
Erdig, moschusartig, mangoähnlich — Myrcen ist in vielen Schweizer Chemovaren das mengenmässig dominante Monoterpen und prägt Aroma sowie Entourage-Wirkung wie kein anderes.
Aroma
Sensorisch beschreibt man Myrcen als erdig-moschusartig mit einer weichen, süsslich-fruchtigen Note, die an reife Mango, Nelken und feuchten Waldboden erinnert. Diese Aroma-Signatur macht das Terpen zum »Ankerduft« vieler klassischer Indica-Profile: kombiniert mit Caryophyllen entstehen tiefe, holzige Nuancen, kombiniert mit Limonen eher fruchtig-erdige Profile. Beim Verdampfen unterhalb des Siedepunkts (167 °C) bleibt der Charakter rund und weich; oberhalb wird das Aroma flüchtiger und dünner, was die Verdampfungstemperatur zu einem wichtigen Qualitätsfaktor macht.
Vorkommen
In Cannabis wird Myrcen überwiegend in den Trichomen der weiblichen Blüten synthetisiert. Innerhalb des Schweizer Marktes gehören Indica-lastige Chemovare wie Blue Dream, Granddaddy Purple, OG Kush und viele Cali-Genetiken zu den myrcen-dominanten Sorten. Analytisch gilt: liegt Myrcen bei mehr als 0,5 % der Blütenmasse, wird die Sorte häufig als »myrcen-dominant« klassifiziert. Auch der Herstellungsprozess beeinflusst den Restgehalt — Trocknung über 20 °C und schnelles Curing können Myrcen deutlich reduzieren, weshalb kalt und langsam getrocknete Blüten aus qualitätsorientierten Schweizer Pilotprojekten meist einen höheren Restanteil aufweisen.
Wirkung
Die diskutierte Wirkung von Myrcen im Rahmen des Entourage-Effekts wird als sedierend, muskelentspannend und schlaffördernd beschrieben — dies ist die Grundlage der weit verbreiteten »Couch-Lock«-Hypothese, wonach myrcen-reiche Chemovare stärker körperlich wirken. Diese Beobachtung basiert unter anderem auf Russo (2011) und tierexperimentellen Daten (Surendran et al. 2021), die eine Interaktion mit GABA- und opioidergen Signalwegen nahelegen. Wichtig: die Datenlage am Menschen bleibt begrenzt und ein direkter Wirkungsvergleich zwischen Chemovaren erfordert kontrollierte klinische Studien. Rechtlicher Hinweis: In der Schweiz gilt Cannabis mit ≥ 1 % THC als Betäubungsmittel. CBD-Blüten unter 1 % THC sind legal handelbar; medizinisches Cannabis ist bewilligungspflichtig. Aussagen zu Wirkungen sind nicht als Heilversprechen zu verstehen.