CanPG Schweiz: Das Cannabisproduktegesetz einfach erklärt (2026)

Das Cannabisproduktegesetz (CanPG) erklärt: Stand 2026, Eckpunkte, Unterschied zum BetmG, Auswirkungen auf Konsumenten, Social Clubs und Produzenten — mit 18 FAQ.

Das Cannabisproduktegesetz (CanPG) ist der vielleicht wichtigste Gesetzesentwurf der Schweizer Drogenpolitik der kommenden Jahre. Es soll klären, wie Cannabis künftig in der Schweiz reguliert, besteuert und verkauft werden darf. In diesem Artikel erklären wir, was das CanPG ist, welche Eckpunkte derzeit diskutiert werden und was das für Konsumentinnen, Cannabis Social Clubs und die Produzentenlandschaft bedeutet.

Das Wichtigste kurz (Stand 2026):
  • Das Cannabisproduktegesetz ist ein Vorentwurf — kein geltendes Gesetz.
  • Ziel: ein streng regulierter Markt für Erwachsene mit Jugend- und Konsumentenschutz.
  • Verkauf soll in Fachgeschäften (nicht online) erfolgen.
  • Werbeverbot, neutrale Verpackung und THC-Deklaration sind vorgesehen.
  • Eine nicht-gewinnorientierte Struktur (Verein, Genossenschaft) wird diskutiert.
  • Frühester realistischer Zeitpunkt für Inkrafttreten: 2028–2030.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist das Cannabisproduktegesetz?
  2. CanPG vs. BetmG — die Unterschiede
  3. Wie kam es zum Vorentwurf?
  4. Zentrale Eckpunkte des CanPG
  5. CanPG und Pilotprojekte — Zusammenhang
  6. Was ändert sich für Konsumentinnen?
  7. Was bedeutet das für Cannabis Social Clubs?
  8. Was bedeutet das für Produzenten?
  9. Kritik und offene Fragen
  10. Realistischer Zeitplan
  11. Vergleich mit Deutschland, Kanada und Malta
  12. 18 FAQ

Was ist das Cannabisproduktegesetz (CanPG)?

Das Cannabisproduktegesetz ist ein geplanter Bundesgesetzentwurf, der den Umgang mit Cannabis und Cannabisprodukten in der Schweiz neu regeln soll. Im Gegensatz zur heutigen Praxis — in der THC-haltiges Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) fällt und strafrechtlich verfolgt wird — sieht das CanPG eine kontrollierte, legale Abgabe für Erwachsene vor.

Kernidee: Cannabis wird nicht mehr als Betäubungsmittel, sondern als reguliertes Genussmittel behandelt — ähnlich wie Alkohol oder Tabak, aber mit deutlich strengeren Auflagen. Der Entwurf zielt nicht auf eine freie Marktwirtschaft, sondern auf ein Modell mit gesundheitlichem Leitmotiv.

Was soll das CanPG regeln?

CanPG vs. BetmG — die Unterschiede

Heute gilt: Cannabis mit mehr als 1 % THC unterliegt weitgehend dem BetmG. Besitz kleiner Mengen wird zwar in der Regel nur mit einer Ordnungsbusse geahndet (Art. 28b BetmG), aber Anbau, Verkauf und Weitergabe bleiben strafrechtlich relevant. Das CanPG würde diesen Rahmen ersetzen — zumindest für Erwachsene und den legalen Vertrieb.

AspektAktuell (BetmG)Geplant (CanPG)
Rechtliche EinordnungTHC-Cannabis = BetäubungsmittelReguliertes Produkt für Erwachsene
VerkaufVerboten (ausser Pilotprojekt / Medizinal)Lizenzierte Fachgeschäfte
AnbauStrafbarLizenzpflichtig, kontrolliert
WerbungNicht zulässigStrenges Werbeverbot geplant
SteuerKeine spezifische CannabissteuerSondersteuer mit Zweckbindung
Mindestalter18 für Ordnungsbusse18, evtl. differenziert nach Produkt
Online-VerkaufVerbotenVorerst nicht vorgesehen

Wie kam es zum Vorentwurf?

Die Grundlage für das CanPG ist die langjährige Debatte über eine evidenzbasierte Cannabispolitik. Wichtige Meilensteine:

Der Vorentwurf wurde nicht von der Bundesverwaltung initiiert, sondern von der parlamentarischen Kommission. Er muss deshalb noch durch den Bundesrat, die Vernehmlassung und beide Parlamentskammern.

Zentrale Eckpunkte des CanPG (Stand 2026)

Die folgenden Eckpunkte basieren auf den öffentlichen Diskussionsbeiträgen der SGK-N und den parlamentarischen Berichten. Sie sind allesamt noch im Diskussionsstadium.

1. Zugang nur für Erwachsene

Der Kauf soll auf Personen ab 18 Jahren beschränkt sein. Es gibt Diskussionen, ob für hochpotente Produkte ein höheres Mindestalter (z.B. 20 oder 21) gelten sollte.

2. Lizenzpflicht für die gesamte Wertschöpfungskette

Anbau, Verarbeitung, Import, Grosshandel und Einzelverkauf sollen lizenziert werden. Lizenzen werden voraussichtlich kantonal erteilt und vom Bund beaufsichtigt. Qualitätsstandards (Pestizide, Schwermetalle, mikrobiologische Reinheit) werden zwingend vorgeschrieben.

3. Verkauf in Fachgeschäften

Der Verkauf soll — im Gegensatz zum Tabak oder Alkohol — nur in spezialisierten Geschäften stattfinden. Supermärkte, Tankstellen oder Kioske sind nicht vorgesehen. Ein Online-Verkauf über den Schweizer Markt ist ebenfalls nicht Teil des aktuellen Vorentwurfs.

4. Werbeverbot und neutrale Verpackung

Ähnlich wie bei Tabak soll es ein weitgehendes Werbeverbot geben. Verpackungen müssen neutral sein, mit klaren Angaben zu THC, CBD, Herkunft und Warnhinweisen.

5. THC-Obergrenzen und Deklaration

Für den legalen Verkauf werden THC-Obergrenzen diskutiert — möglicherweise zwischen 15 % und 20 %, je nach Produkt. Höherpotente Produkte könnten weiterhin medizinisch verschrieben werden.

6. Sondersteuer mit Zweckbindung

Eine Cannabis-Steuer soll nicht in die allgemeine Staatskasse fliessen, sondern direkt in Prävention, Forschung, Suchtbehandlung und Jugendschutz investiert werden. Höhenmodelle von 20 % bis 40 % des Verkaufspreises werden diskutiert.

7. Non-Profit-Struktur diskutiert

Eine der kontroversesten Fragen: Soll der Cannabis-Markt in der Schweiz nicht gewinnorientiert organisiert sein (Verein, Genossenschaft, Anbauvereinigung)? Das Modell würde der Schweizer Drogenpolitik entsprechen, die Prävention statt Profit maximieren möchte. Es wäre aber auch ein internationales Unikum.

CanPG und Pilotprojekte — Zusammenhang

Die Pilotprojekte (Züri Can, SCRIPT, Weed Care, Cann-L etc.) sind kein Ersatz für das CanPG, sondern dessen wissenschaftliche Vorstufe. Sie liefern Daten zu Konsummustern, Gesundheitseffekten, Schwarzmarktverdrängung und Jugendkonsum. Diese Erkenntnisse fliessen direkt in die CanPG-Beratung ein.

Mehr Details zu den einzelnen Projekten findest du in unseren Artikeln zu Cannabis-Pilotprojekten Schweiz und Cannabis Social Clubs.

Was ändert sich für Konsumentinnen?

Was bedeutet das für Cannabis Social Clubs?

Cannabis Social Clubs (CSCs) — also gemeinnützige Vereine, die Cannabis für Mitglieder anbauen und abgeben — sind ein wichtiges Modell im CanPG. Die Chancen:

Auch CannabisClub.ch arbeitet an einer Struktur, die nahtlos in ein zukünftiges CanPG-Regime übergehen kann — mit Bildung, Transparenz und Mitgliedschaft im Zentrum.

Was bedeutet das für Produzenten?

Für Schweizer Cannabis-Produzenten würde sich viel ändern:

Kritik und offene Fragen

Wichtig: Das CanPG ist ein Vorentwurf. Alle genannten Eckpunkte können sich in der parlamentarischen Beratung noch ändern. Eine Volksabstimmung ist möglich.

Realistischer Zeitplan

ZeitraumSchritt
2024–2026Vorentwurf der SGK-N, öffentliche Debatte
2026–2027Botschaft des Bundesrates, Vernehmlassung
2027–2028Parlamentarische Beratung in National- und Ständerat
2028–2029Mögliches Referendum und Volksabstimmung
2029–2030Inkrafttreten und schrittweise Umsetzung

Vergleich mit Deutschland, Kanada und Malta

LandModellSchweizer Unterschied
KanadaKommerzieller Markt, private UnternehmenSchweiz diskutiert Non-Profit-Tendenz
DeutschlandAnbauvereinigungen, Eigenanbau, keine ShopsSchweiz plant lizenzierte Fachgeschäfte
MaltaCannabis Social Clubs, EigenanbauSchweiz plant breiteren Verkauf in Fachgeschäften

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Weiterführende Artikel

18 häufig gestellte Fragen zum CanPG

1. Was bedeutet CanPG?

CanPG steht für Cannabisproduktegesetz — ein geplanter Schweizer Bundesgesetzentwurf für einen regulierten Cannabis-Markt.

2. Ist das CanPG bereits in Kraft?

Nein. Es handelt sich um einen Vorentwurf. Frühester Zeitpunkt: 2028–2030.

3. Was ist der Unterschied zwischen CanPG und BetmG?

Das BetmG verbietet THC-Cannabis weitgehend. Das CanPG würde eine legale, kontrollierte Abgabe für Erwachsene regeln.

4. Wer darf künftig Cannabis kaufen?

Voraussichtlich alle Erwachsenen ab 18 — möglicherweise mit höherem Mindestalter für Hochpotenzprodukte.

5. Wo wird Cannabis verkauft werden?

In lizenzierten Fachgeschäften. Online-Verkauf und Supermarktverkauf sind derzeit nicht vorgesehen.

6. Darf Cannabis weiterhin nicht beworben werden?

Ja, ein strenges Werbeverbot ist geplant — ähnlich wie bei Tabak.

7. Gibt es eine THC-Obergrenze?

Eine Obergrenze wird diskutiert, konkrete Zahlen sind noch offen. Medizinische Produkte bleiben verschreibungspflichtig.

8. Was passiert mit dem Schwarzmarkt?

Ein regulierter Markt reduziert den Schwarzmarkt schrittweise. Erfahrungen aus Kanada zeigen: 5–7 Jahre bis 70 % legaler Marktanteil.

9. Was kostet Cannabis im CanPG?

Preise werden marktnah sein, aber durch Steuern und Qualitätsanforderungen geprägt. Erste Schätzungen liegen bei 8–15 CHF/g.

10. Gibt es eine Cannabissteuer?

Ja, eine Sondersteuer mit Zweckbindung für Prävention, Forschung und Suchtbehandlung ist geplant.

11. Was sind Cannabis Social Clubs?

Gemeinnützige Vereine, die Cannabis für Mitglieder anbauen. Sie könnten im CanPG lizenziert werden.

12. Was bedeutet das CanPG für Produzenten?

Klare Lizenzpflicht, Qualitätsstandards, Chargenrückverfolgung — aber auch Planungssicherheit.

13. Was passiert mit CBD?

CBD bleibt legal. Die 1-%-THC-Grenze wird voraussichtlich beibehalten.

14. Darf man nach Inkrafttreten Auto fahren?

Nein. Fahren unter THC-Einfluss bleibt strafbar, unabhängig vom CanPG.

15. Wird es ein Referendum geben?

Sehr wahrscheinlich. Gegner der Legalisierung können ein fakultatives Referendum ergreifen.

16. Welche Rolle spielen die Kantone?

Lizenzvergabe, Vollzug und mögliche Verschärfungen liegen bei den Kantonen.

17. Was passiert mit den Pilotprojekten?

Sie laufen bis 2031 und liefern wissenschaftliche Daten für die CanPG-Umsetzung.

18. Wo finde ich aktuelle Updates?

Im CannabisClub.ch News-Bereich und bei der Bundesverwaltung (UFSP/BAG).

Häufige Fragen

Was ist das CanPG?
Das Cannabisproduktegesetz (CanPG) ist ein geplanter Schweizer Bundesgesetzentwurf für einen regulierten Cannabis-Markt für Erwachsene.
Ist das CanPG bereits in Kraft?
Nein. Es ist ein Vorentwurf. Frühester realistischer Zeitpunkt: 2028–2030.
Wie unterscheidet sich CanPG vom BetmG?
Das BetmG verbietet THC-Cannabis weitgehend; das CanPG würde eine legale, kontrollierte Abgabe regeln.
Wer darf künftig Cannabis kaufen?
Voraussichtlich Erwachsene ab 18 Jahren.
Wo wird Cannabis verkauft werden?
In lizenzierten Fachgeschäften. Online-Verkauf ist nicht vorgesehen.