Cannabis-Steuern Schweiz 2026: MwSt, Tabaksteuer & CanPG

CBD-MwSt 8.1 %, Tabaksteuer, Zoll, Preise der Pilotprojekte und die geplante Cannabis-Excise unter dem CanPG — mit Modellvergleich und Einnahmen-Schätzungen bis 1 Mrd CHF/Jahr.

Wie wird Cannabis in der Schweiz besteuert — heute und in Zukunft? Für CBD-Produkte gilt die normale Mehrwertsteuer, aber keine Tabaksteuer. Für THC-Cannabis aus Pilotprojekten gibt es eine Sonderpreisstruktur. Und mit dem geplanten Cannabisproduktegesetz (CanPG) steht eine völlig neue Fiskalordnung im Raum — mit einem geschätzten Bundeseinnahmenpotenzial von 500 Millionen bis 1 Milliarde CHF pro Jahr. Dieser Artikel erklärt die Rechtslage, die aktuellen Sätze und die realistischen Zukunftsszenarien.

Das Wichtigste kurz (Stand 2026):
  • CBD-Blüten, CBD-Öl, CBD-Hash (< 1 % THC): MwSt 8.1 % (Normalsatz), keine Tabaksteuer, sofern nicht als Rauchprodukt deklariert.
  • CBD-Blüten mit Rauch-Deklaration: unterliegen der Tabaksteuer (Tabaksteuergesetz, TStG) — deshalb sind viele CH-CBD-Blüten als „Aromablüten" oder „Sammlerstück" verkauft.
  • THC-Pilotprojekte: kein separates Steuermodell; Preise beinhalten MwSt und einen Regulierungs-Aufschlag der BAG-Bewilligung.
  • Zoll-Import aus der EU: THC > 1 % ist verboten; CBD ist grundsätzlich zulässig, unterliegt aber MwSt-Erhebung ab der Freimenge.
  • CanPG-Zukunft: eine spezifische Cannabis-Verbrauchssteuer analog zu Alkohol/Tabak ist in Diskussion. Einnahmen-Schätzungen: 500 Mio – 1 Mrd CHF/Jahr.

Inhaltsverzeichnis

  1. CBD-Besteuerung heute
  2. Tabaksteuer — die entscheidende Grauzone
  3. Zoll & Import EU → Schweiz
  4. Preise & Steuern in den THC-Pilotprojekten
  5. Zukunft unter dem CanPG
  6. Modellvergleich: Deutschland, Kanada, US-Bundesstaaten
  7. Fiskalisches Potenzial für den Bund
  8. Was das für B2B / Grosshandel bedeutet
  9. FAQ

1. CBD-Besteuerung heute

In der Schweiz gilt Cannabis mit einem Gesamt-THC-Gehalt von weniger als 1 % nicht als Betäubungsmittel (Art. 2 Bst. b BetmG i.V.m. BetmVV-EDI). Solche Produkte — CBD-Blüten, CBD-Öl, CBD-Hash, Extrakte — sind legal handelbar und unterliegen grundsätzlich der Mehrwertsteuer zum Normalsatz von 8.1 % (seit 1. Januar 2024, davor 7.7 %).

Der reduzierte Satz von 2.6 % gilt nicht für Cannabisprodukte, weil sie weder als Nahrungsmittel im Sinne des MWSTG noch als Medikament klassifiziert sind. Auch CBD-Öl fällt nicht unter den reduzierten Satz — es sei denn, das Produkt hat eine Swissmedic-Zulassung als Medikament, was bislang keinem CBD-Öl der Fall ist.

2. Tabaksteuer — die entscheidende Grauzone

Hier wird es interessant: Sobald ein CBD-Produkt als Rauchware (Tabakersatz) deklariert oder vermarktet wird, greift das Tabaksteuergesetz (TStG). Der Steuersatz beträgt 25 % des Kleinhandelspreises plus einen Fixbetrag pro Kilogramm — vergleichbar mit Feinschnitttabak.

Deshalb werden CBD-Blüten in der Schweiz häufig als „Aromablüten", „Räucherwerk", „Sammlerstück" oder „nicht zum Verzehr geeignet" deklariert. Diese Deklaration umgeht die Tabaksteuer legal, ist aber ein zentraler Grund für die aktuelle Verkaufs-Ästhetik im CBD-Detailhandel.

Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV, heute BAZG) und das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit haben in mehreren Fällen CBD-Blüten nachversteuert, wenn Verpackung, Marketing oder Beipack eindeutig auf Rauchkonsum hindeuteten. Für Konsumenten bedeutet das: Der offizielle Verwendungszweck steht auf der Packung — der reale Konsum ist eine private Entscheidung.

3. Zoll & Import EU → Schweiz

Beim privaten Import von CBD-Produkten aus der EU gilt: THC < 1 % ist zulässig, aber jede kommerzielle Sendung unterliegt der MwSt-Erhebung durch das BAZG. Freimenge für Privatpersonen: Warenwert bis 150 CHF steuerfrei (seit Januar 2024 abgesenkt von 300 CHF beim Nicht-Lebensmittel-Regime).

SzenarioMwStTabaksteuerZoll
CBD-Öl aus DE, Warenwert 80 CHFbefreit (unter Freimenge)
CBD-Öl aus DE, 250 CHF8.1 %ggf. Formalitäten
CBD-Blüten „zum Rauchen" aus AT8.1 %25 % KleinhandelspreisDeklaration nötig
THC-Blüten > 1 % (jede Menge)Verboten — Beschlagnahmung + Strafanzeige nach BetmG

Für den gewerblichen Import ist zusätzlich eine BAG-Bewilligung nötig (z. B. für Hanfsamen zur Aussaat oder für Extrakte mit medizinischer Zweckbestimmung). Wer als Wholesale-Käufer regelmässig aus der EU importiert, arbeitet in der Regel mit einer eigenen MwSt-Nummer und einem Speditionsdienstleister, der die Zollpapiere übernimmt. Details im Grosshandel-Cluster.

4. Preise & Steuern in den THC-Pilotprojekten

Die laufenden BAG-Pilotprojekte (Züri Can, SCRIPT Basel, Weed Care Basel, Grashaus Genf, Cann-L Lausanne) verkaufen THC-Cannabis zum Selbstkostenpreis plus Verwaltungsaufschlag. Es gibt keine spezifische THC-Verbrauchssteuer, weil das Betäubungsmittelgesetz keine Steuerbasis vorsieht — die Abgabe erfolgt im Rahmen einer wissenschaftlichen Bewilligung.

In der Preisstruktur enthalten sind:

Ergebnis: ~10–12 CHF/g für Standard-Blüten, ~14–15 CHF/g für Premium. Aktueller Preisverlauf im Cannabis-Preis-Index Q3 2026.

5. Zukunft unter dem CanPG

Das Cannabisproduktegesetz (CanPG) würde erstmals eine spezifische fiskalische Grundlage für THC-Cannabis schaffen. Aktuell diskutierte Optionen:

ModellBemessungSchätzung Ertrag/Jahr
Ad-valorem-Steuer (analog Tabak)% des Endpreises400–700 Mio CHF
Spezifische THC-VerbrauchssteuerCHF pro mg/g THC500–900 Mio CHF
Hybrid (Grundsteuer + THC-Zuschlag)Fixbetrag + THC-Komponente600 Mio – 1 Mrd CHF

Die THC-basierte Bemessung (analog Alkohol-Grad bei Spirituosen) hat aus jugendschutz- und gesundheitspolitischer Sicht Vorteile: sie verteuert hochpotente Produkte stärker und steuert damit den Konsum. Sie ist auch das Modell, das von der EKKJ und Suchtexperten bevorzugt wird.

6. Modellvergleich: Deutschland, Kanada, US-Bundesstaaten

Die zentrale Lehre für die Schweiz: Zu hohe Steuern treiben zurück in den Schwarzmarkt. Kanada und Colorado gelten als kalibrierte Modelle — Kalifornien als Warnung.

7. Fiskalisches Potenzial für den Bund

Rechnerisches Beispiel bei einem regulierten CH-Markt (Basis: BAG-Schätzung 200–220 Tonnen jährlicher Konsum, Ø Endpreis 10 CHF/g):

Diese Zahlen kursieren in Studien der Universität Genf (Prof. Frank Zobel) und in Berichten der Eidgenössischen Kommission für Suchtfragen (EKSF). Sie sind Schätzungen — reale Zahlen hängen stark davon ab, wie viel Marktanteil vom Schwarzmarkt zurückgewonnen wird.

8. Was das für B2B / Grosshandel bedeutet

Für Grosshandelspartner heute:

Mehr zur B2B-Preislogik: Grosshandel-Hub. Aktuelle Preise: CBD-Preise Schweiz.

FAQ

Muss ich beim CBD-Kauf MwSt zahlen?

Ja, 8.1 % Normalsatz. Sie sind meist im Endpreis eingerechnet.

Warum kostet CBD im Ausland weniger?

Weil die CH-Tabaksteuer bei „Rauchware"-Deklaration greift und weil Zoll/MwSt/höhere Löhne den CH-Preis strukturell verteuern.

Kann ich CBD aus DE importieren?

Ja, bei THC < 1 %. Warenwert bis 150 CHF ist MwSt-frei, darüber wird die MwSt beim Import erhoben.

Zahlen Cannabis-Pilotprojekte eine Sondersteuer?

Nein. Es gibt aktuell keine spezifische THC-Steuer. Der Preis enthält Rohkosten, MwSt und einen Verwaltungsaufschlag.

Wird THC unter dem CanPG wie Tabak besteuert?

Wahrscheinlich ähnlich, aber mit einer THC-abhängigen Komponente. Der Vorentwurf lässt die Bemessung offen.

Wie hoch könnten die Bundeseinnahmen sein?

Realistische Schätzungen liegen zwischen 500 Mio und 1 Mrd CHF pro Jahr, abhängig von Steuermodell und Marktvolumen.

Häufige Fragen

Wird beim CBD-Kauf MwSt fällig?
Ja, 8.1 % Normalsatz — in der Regel im Endpreis eingerechnet.
Fällt CBD unter die Tabaksteuer?
Nur wenn es als Rauchprodukt deklariert wird. Deshalb werden CBD-Blüten meist als Aromablüten verkauft.
Zahlen die Cannabis-Pilotprojekte eine Sondersteuer?
Nein. Es gibt aktuell keine spezifische THC-Steuer.
Wie viel könnte der Bund mit CanPG einnehmen?
Schätzungen liegen zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde CHF pro Jahr.
Kann ich CBD steuerfrei aus Deutschland importieren?
Bis CHF 150 Warenwert privat — darüber wird MwSt beim Import erhoben.