Cannabis-Bioverfügbarkeit — was wirklich ankommt

Auf dem Etikett stehen 10 mg CBD. Aber wie viel davon landet tatsächlich im Blut? Zwischen 0.4 und 3.5 mg — je nach Route. Die Wissenschaft dahinter.

Bioverfügbarkeit = Anteil der Dosis, der systemisch verfügbar wird. Inhaliert: 20–35 % (schnell, aber Verlust durch Seitenstrom-Rauch). Sublingual: 15–20 % (umgeht Leber). Oral: 4–20 % (First-Pass-Metabolismus in Leber). Rektal (Zäpfchen): 50–70 % (medizinisch bei Chemotherapie). Transdermal: praktisch 0 % — Cannabinoide penetrieren die intakte Haut kaum.

Was Bioverfügbarkeit bedeutet

Pharmakologisch: der Anteil einer verabreichten Dosis, der unverändert im systemischen Blutkreislauf ankommt und wirken kann. Intravenös = 100 % (Referenz). Alle anderen Routen liegen darunter.

Für Cannabis relevant, weil zwei Faktoren die Bioverfügbarkeit drücken: Lipophilie (THC/CBD sind extrem fettlöslich, wasserlösliche Formulierungen sind selten) und First-Pass-Metabolismus (Leber baut oral aufgenommenes THC/CBD sofort ab).

Bioverfügbarkeit je Route

Inhalation (Vape/Joint): 20–35 %. Peak-Plasmakonzentration nach 3–10 min. Verluste durch Verbrennung, Seitenstromrauch und Ausatmen.

Sublingual (Öl): 15–20 %. Peak nach 60–90 min. Umgeht die Leber vollständig, wenn korrekt angewendet.

Praxis-Folgen

10 mg CBD sublingual ≈ 2 mg systemisch verfügbar.

10 mg CBD oral ≈ 0.5–2 mg systemisch — abhängig von Magen (leer/voll, Fettgehalt).

Wie Nano- und Liposomen-Formulierungen die Bioverfügbarkeit erhöhen

Nano-Emulsionen (Partikel < 100 nm) und Liposomen kapseln Cannabinoide in wasserähnliche Vehikel. Studien zeigen 2–5× höhere orale Bioverfügbarkeit.

Diese Formulierungen sind in Getränken (Cannabis-Beverages, USA) und einigen Premium-Ölen (SGS, Ojai Energetics) im Einsatz. Preis-Aufschlag ist meist deutlich.

FAQ

Warum wirken Edibles länger, wenn die Bioverfügbarkeit tiefer ist?

Weil das im Darm/Leber gebildete 11-OH-THC eine längere Halbwertszeit hat. Die Menge, die ankommt, wird langsamer abgebaut.

Verändert Essen die Bioverfügbarkeit von CBD-Öl?

Ja. Fettreiches Essen kann orale CBD-Bioverfügbarkeit 4× erhöhen (Birnbaum 2019). Für sublinguale Anwendung nebensächlich.

Sind CBD-Cremes eine Verschwendung?

Nein — für lokale Effekte (Muskelverspannung, Hautentzündung) wirken sie an Ort. Für systemische Effekte (Angst, Schlaf) sind sie ineffizient.

Warum ist die orale Bioverfügbarkeit so variabel?

First-Pass-Enzymvarianten (CYP2C9, CYP3A4) haben grosse individuelle Unterschiede, plus Einfluss von Mageninhalt, Trägeröl und Darmflora.

Cannabis Bioverfügbarkeit — Wie viel Wirkstoff wirklich ankommt (2026)